Das Bayerische Ärztorchester

Im Wintersemester 1967/68 gründete Reinhard Steinberg, Erstsemester Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, mit 22 Kommilitonen das „Orchester Münchner Medizinstudenten“, das bis 1973 auf sehr respektablem Niveau musizierte. Das Orchester wuchs rasch auf 80 Aktive an. Der Eintritt ins Berufsleben, die der Medizin innewohnenden Lehr- und Wanderjahre stehen der Sozialform eines Akademischen Orchesters mit wöchentlichen Proben allerdings im Wege. Obwohl es musikalisch auf dem Höhepunkt war löste Reinhard Steinberg 1973 das Orchester unter Wehklagen seiner Mitglieder und der Medizinischen Fakultät, des großen Förderes, auf. Es sollte jedoch nicht der musikalischen Agonie verfallen.
1975 wurde mit einem Weihnachtskonzert die Orchestertätigkeit wieder aufgenommen, jetzt als „Bayerisches Ärzteorchester“ mit jährlicher Arbeitsphase. In Schloss Craheim in Unterfranken wurde ein idealer Probenort gefunden, der seit nun schon dreieinhalb Jahrzehnten nicht verlassen wurde. Die Craheim-Idee ist sicher auch ein Kitt für den Bestand des Orchesters, mittlerweile bringt die zweite Generation ihre Kinder mit, die zum Craheim-Erlebnis und zur aktiven musikalischen Früherziehung dazu gehören. Die Mischung aus konzentrierter musikalischer Arbeit, Kammermusik und Geselligkeit hat schon fast rituellen Charakter.
Wer trifft sich da? Es sind fast ausschließlich Ärzte und Medizinstudenten: mit derzeit 180 aktiven Mitgliedern ist das BÄO tatsächlich ein fast reines Medizinerorchester. Ärzte sind mit Sicherheit nicht musikalischer als andere Leute oder Mitglieder anderer akademischer Berufe. Sie sind aber einfach zahlreich, daher gibt es diese berufsbezogene Orchestervariante gerade im deutschsprachigen Raum nicht so selten. Im BÄO versammeln sich Instrumentalisten, von denen nicht wenige ein Musikstudium überlegten oder gar machten, sich aus unterschiedlichen Gründen dann aber doch im Status eines leistungsorientierten Amateurs wiederfanden.
Das BÄO war schon immer ein großes romantisches Symphonieorchester, was natürlich Einfluss auf die Programme hat: die großsymphonische Form der romantischen und zeitgenössischen Literatur. Bei passenden Gelegenheiten werden allerdings – in reduzierter Besetzung – auch gerne kammermusikalische Werke gespielt. Die Programme werden gemeinschaftlich beschlossen und auf die Realisierbarkeit geprüft. Diese Prüfung ist wichtig, denn auch gute Amateurorchester haben ihre Grenzen. Das Programm muss daher technisch beherrschbar sein und von den Orchestermitgliedern und unserem Publikum akzeptierte Werke darbieten. Der Erfolg des BÄO in nunmehr 50 Jahren zeigt, dass wir uns hier auf dem richtigen Weg befinden.