BÄO und Craheim in der Coronakrise 2020

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Liebe BÄOs,

hier kommen einige wichtige Informationen für alle BÄOs (nicht nur die 2020er) – aber nicht nur am Anfang. Lest daher diesen Brief bis zum bitteren Ende durch!

Für Eilige hier eine einsätzige Kurzfassung: 2020 werden nicht nur die Bayreuther und Salzburger, sondern auch die Craheimer Festspiele abgesagt.


Dies hat der Orchestervorstand am 5. April in einer corona- und computervirus-sicheren Videokonferenz beschlossen.

Unsere Beweggründe waren unter anderem folgende, die sich nach einer ganzen Reihe von vorangegangenen Besprechungen und Mails als deren Quintessenz herauskristallisiert haben:

Es ist schwer vorauszusagen, ob sich die Pandemie-Kurve im Laufe der nächsten zwei Monate nennenswert abflacht.

Und selbst wenn sie es täte: Wir müssten in Deutschland von einem weiterhin hohen Krankenstand ausgehen, denn das Kappen einer steil verlaufenden Kurve ist gleichbedeutend mit dem Verlängern eines abgeflachten Verlaufes.

Im Gesundheitswesen werden sicher auch in den nächsten Monaten alle verfügbaren Fachkräfte benötigt, so dass im Medizinbereich möglicherweise sogar längst genehmigte Urlaube der Notsituation zum Opfer fallen könnten. Es haben uns inzwischen auch einige Mitspieler-Absagen erreicht.

Es wäre der Öffentlichkeit (und auch unserer eigenen Einsicht) kaum plausibel zu machen, warum sich neun Tage lang Ärztinnen und Ärzte auf engen Raum zusammenrotten, um große Musik zu proben und das Ergebnis zu präsentieren, auch wenn es sich „nur“ um ein Freizeitvergnügen handelt.

Sollte bis Mai 2020 eine Lockerung der Kontaktverbote eintreten, könnte das möglicherweise zwar Kontakte im kleineren Rahmen wieder ermöglichen, sicher aber würden die Sanktionen bei Großveranstaltungen zuallerletzt aufgehoben.

Selbst wenn bis Mitte Mai von den Behörden Veranstaltungen wie unsere Konzerte genehmigt würden, müssen wir damit rechnen, dass ein Teil unserer potentiellen Besucher aus prinzipieller Sorge erst einmal abwartet und solche Menschenansammlungen noch meidet. Wir sind aber gerade bei dem für dieses Jahr geplanten Projekt auf eine überdurchschnittliche Besucherzahl angewiesen, um es überhaupt stemmen zu können.

Wegen der Unsicherheit in der Planung sind alle wichtigen Vorbereitungsmaßnahmen wie Programmheftherstellung, Werbemaßnahmen etc. vorerst auf Eis gelegt worden. Spätes „Grünes Licht“ für Craheim 2020 würde eine enorme Anstrengung für die Beteiligten spätestens am Osterwochenende bedeuten, mit höchst ungewissem Ausgang, ob sich die Mühe überhaupt lohnt.

Der Vorstand ist daher zu dem Entschluss gekommen, schweren Herzens und gegen alle seine und auch Eure Wunschvorstellungen das Projekt „Mahler 6“ vorläufig und „Craheim 2020“ definitiv abzusagen.

Zwar gäbe es einige Möglichkeiten, das entstehende BÄO-Vakuum zu verringern, beispielsweise in der Craheim-Woche dennoch ein zwangloses BÄO-Treffen in kleinerem Rahmen zu arrangieren, wobei der Schwerpunkt auf Kammermusik liegen würde; denkbar wäre auch, Orchestermusik geringeren Umfangs zu machen – Joseph Bastian könnte sich sogar vorstellen, dabei zu sein. Wenn sich jedoch herausstellte, dass auch nur ein einziger Corona-Infizierter in unserer Gruppe weilt, wäre eine Art Craheimer Kreuzfahrtschiff-Quarantäne die unausweichliche Folge. Und wann Gastronomie und touristische Beherbungsbetriebe wieder wie gewohnt funktionieren dürfen, steht derzeit noch in den Sternen. Und die Idee, im Herbst, ebenfalls in abgespecktem Umfang, ein Probenwochenende mit abschließendem Konzert in München zu veranstalten, das dann als Corona-Benefiz-Konzert gedacht werden könnte, dürfte kaum in ihrer Machbarkeit abzuschätzen und zu verwirklichen sein.

Das zweite, wichtige Anliegen unseres Schreibens ist:

Wir müssen 2020 den Craheimern helfen,
wir müssen Craheim auch für die Zukunft retten.

Was die bedauernswerten Craheimer betrifft, die schon jetzt alle Gruppen bis Ostern absagen mussten: Sie trifft die Absage des BÄOs am schwersten, ist doch unsere (gut bezahlte) Anwesenheit der wichtigste Wirtschaftsfaktor in ihrem Finanzplan. Wir befürchten, dass der Einnahmeausfall 2020 die eh schon prekäre finanzielle Situation Craheims irreversibel verschärft und sich existenzgefährdend auswirkt. Und es gilt auch den finanziellen Schaden für das BÄO selbst zu bedenken. (Spätestens jetzt wird klar, dass der BÄO-Kassenwart – euphemistisch „Schatz“-Meister genannt – bei diesem Schreiben seine Hand mit im Spiel hat). Es ist noch nicht geklärt, ob wir bei staatlich verordneter Zwangsabsage um die Zahlung der Stornogebühren herumkommen, die übrigens der Förderverein mit seinen derzeitigen Mitteln gar nicht übernehmen könnte. Wir können nur hoffen, dass wir aus den eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen – von der LKW-Buchung über Schlagzeug-Beschaffung bis hin zu den Saal-Mietverträgen – auf dem Kulanzwege mit einem blauen Auge davonkommen. Craheim jedoch, so unser Eindruck, bestand bei einem ersten Telephonat auf der Zahlung der Stornogebühren; es muss aus Selbstschutzgründen eigentlich darauf bestehen. Aber selbst wenn die weitere Entwicklung der Pandemie und die juristischen Rahmenbedingungen uns von dieser Zahlungsverpflichtung befreiten, müssten wir Craheim einen Rettungsanker zuwerfen – sonst ist die Zukunft von „BÄO und Craheim“ gefährdet.

Wir wollen den Craheimern daher folgendes Modell vorschlagen: Die BÄOs (womöglich bitte alle!) spenden direkt an Craheim einen Betrag in selbstgewählter Höhe, der jedoch den für 2020 angekündigten Systemkosten (höher als bisher!) entsprechen sollte, darüber hinaus spenden sie einen kleineren Betrag an den Förderverein, dem ebenfalls ein finanzielles Abenteuer droht und der eine Aufstockung seines Kassenbestandes jederzeit auch für die nächsten Jahre sinnvoll verwerten kann. Die Systemkosten für 2020 waren auf 250 bis 300 € geschätzt. Eine denkbare Aufteilung der Spende sähe so aus: 50 – 100 € für den Förderverein, 200 – 250 € für Craheim – wer es verkraftet, darf gerne darüber hinaus gehen! Jede dieser Spenden ist steuerlich absetzbar.

Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand: Der BÄO-Förderverein muss keine Stornogebühren an Craheim zahlen, die Craheimer erhalten (hoffentlich) deutlich mehr Geld als durch die Zahlung der Stornogebühren, die sie zudem versteuern müssten, und – das Wichtigste – die Zukunft von Craheim und die Zukunft der Konstellation BÄO in Craheim kann gesichert werden. Wenn Ihr Euch überlegt, dass Craheim für 2020 mit einem Umsatz im deutlich höheren fünfstelligen Bereich kalkuliert hat, könnt Ihr die Dringlichkeit unserer Spenden erfassen und auch selbst ausrechnen, wie hoch durchschnittlich die Spenden ausfallen müssen, wenn sie ihren Zweck erreichen sollen.

Für die Gespräche mit den Craheimern brauchen wir Gewissheit, dass der Spendenumfang die Stornogebühren deutlich übersteigen wird, sonst können wir nicht überzeugend genug argumentieren. Wir bitten Euch daher eindringlich, dem Kassenwart (Franz Scheder – franz.anton@gmx.de – der Punkt ist wichtig!) die voraussichtliche Höhe Eurer Spende an Craheim und die Höhe Eurer Spende an den BÄO-Förderverein baldmöglichst anzukündigen. Franz wird Eure Angaben absolut vertraulich behandeln, braucht sie aber, um das Spendenmodell als Ersatz für die Zahlung der Stornogebühren schmackhaft zu machen.

Ein BÄO ohne Craheim wäre den meisten unter Euch sicher kaum vorstellbar, und umgekehrt wäre Craheim ohne BÄO wohl nicht lebensfähig. Durch unsere Spendenaktion können wir so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Eine dritte Fliege hieße „Steuerersparnis“, eine vierte „gutes Gefühl“ …

Da diese Unterstützung für Craheim nicht nur die 2020er BÄOs betrifft, sollen sich alle BÄOs – alte, gegenwärtige und zukünftig wieder aktive – angesprochen fühlen.

Meldet Euch bitte bald!

„Normale“ Mails am besten an orga@baeo.de (Fränzi, Franz und Andreas, wo alle organisatorischen Fäden zusammenlaufen). Mails mit Spendenzusagen nur an Franz!
franz.anton@gmx.de

Wir sind sehr traurig wegen dieser Entwicklung, trösten uns aber damit, dass das Beharren auf der ursprünglichen Planung so viele Nachteile und Unsicherheiten nach sich gezogen hätte, die wir Euch und dem Förderverein gegenüber niemals vertreten konnten. Und voraussichtlich ist „Mahlers Sechste“ auch nicht gestorben: Wegen der Ferienplanungen wird es wohl bis 2023 mit der Realisierung dauern, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Herzliche Grüße von Eurem Orchestervorstand!

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